Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum von Kivoga

Projekt 88

Nicht zuletzt aufgrund des Engagements unseres Partners Project Human Aid hat sich der Haupt-Projektstandort Kivoga in den vergangenen fünfzehn Jahren positiv entwickelt. Dies macht sich u.a. in einem beträchtlichen Zuzug in den Ort und seine Umgebung bemerkbar.
Ein Bereich, in dem jedoch noch starker Nachholbedarf besteht, auch aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl sowie der stark gestiegenen Zahl von Schülerinnen und Schülern an Grund- und weiterführender Schule, ist die Sicherheit im öffentlichen Raum.

1) Gefahren im Straßenverkehr

Mitten durch den Ort führt die für burundische Verhältnisse stark befahrene Rue Nationale 7, eine Überlandstraße. Da sie asphaltiert ist und es in Burundi so gut wie nie Geschwindigkeitskontrollen gibt, kann sie mit hohem Tempo befahren werden. Dies stellt eine beträchtliche Gefahr für die Menschen im Ort dar, die auf oder am Rand der Straße zu Fuß unterwegs sind oder Waren verkaufen (einen baulich von der Fahrbahn getrennten Gehweg gibt es nicht) – ganz besonders aber für die rund 1.000 Grundschulkinder des Ortes, von denen viele ebenfalls auf oder am Rande der Straße zur Schule gehen oder sie überqueren müssen.
Um dieser Situation zu begegnen, hatte Project Human Aid 2013 mit behördlicher Genehmigung in Kivoga drei Straßenschwellen gebaut (jeweils eine an Ortseingang und -ausgang sowie eine weitere auf halbem Wege), die die Autofahrer an diesen neuralgischen Punkten zwangen, auf Schritttempo zu verlangsamen. Die Strecken zwischen den Schwellen waren jeweils nicht lang genug, um wieder hohe Geschwindigkeit zu erlangen.

Spielendes Kind überquert die Straße durch Kivoga an einer Straßenschwelle (2013)

Da jedoch über einen längeren Zeitraum eine andere Rue Nationale weiter nördlich im Land gesperrt war, verlagerte sich in dieser Zeit ein großer Teil des Ost-West-Güterverkehrs durch Burundi auf die RN 7 durch Kivoga. Unter dem Gewicht der zahllosen, oft drastisch überladenen Lkw wurden die Straßenschwellen schwer in Mitleidenschaft gezogen, so dass es nun erforderlich ist, sie neu zu bauen.

2018: Die Straßenschwellen sind stark erodiert und erfüllen ihren Zweck nur noch bedingt.

2) Sicherheit in der Nacht

Mit der gestiegenen Attraktivität Kivogas hat auch abseits der Durchgangsstraße das
öffentliche Leben im Ort stark zugenommen. Ganz besonders gilt dies für den Teil Kivogas, in dem sich in in einem Radius von ca. 200 Metern in unmittelbarer räumlicher Nähe u.a. die Grund-, weiterführende und Berufsschule, die Kranken- und die Entbindungsstation, der (Schul-)Sportplatz, der Marktplatz, die Kirche sowie das kleine Restaurant und Hotel befinden: alles naturgemäß Orte, an denen regelmäßig viele Menschen zusammenkommen,oft auch nach Einbruch der Dunkelheit gegen 18:30 Uhr. Da mit Einsetzen der Nacht die Wahrscheinlichkeit für kriminelle Akte in Burundi stark steigt (eine Bestätigung dieser Einschätzung liefert auch das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Burundi), ist es notwendig, zumindest für eine Minimalbeleuchtung des öffentlichen Raumes
in Kivoga zu sorgen.

Noch ohne Licht im öffentlichen Raum: der Teil Kivogas mit Schulen, Kirche, Kranken- und Entbindungsstation sowie Sportplatz. Der Marktplatz sowie das kleine Hotel und Restaurant liegen links knapp außerhalb des Bildausschnitt.

3) Zielgruppe

Zielgruppe ist die Bevölkerung Kivogas sowie seines Einzugsgebiets – derzeit geschätzt etwa 15.000 Menschen. Praktisch jede/r von ihnen nutzt immer wieder die Rue Nationale 7 bzw. deren Straßenrand als Fußweg oder hält sich regelmäßig oder gelegentlich nach Einbruch der Dunkelheit im aktuell unbeleuchteten öffentlichen Raum auf. Innerhalb der Zielgruppe besonders hervorzuheben sind die Kinder, besonders was das Thema „Sicherheit im Straßenverkehr“ angeht, und die (jungen) Frauen, was das Thema „Sicherheit in der Nacht“ betrifft – sie stellen die jeweils verletzlichsten Gruppen dar.

Schüler*innen auf der RN 7 am Ortsausgang von Kivoga – ohne eine Begrenzung der Geschwindigkeit von Kraftfahrern im Ort sind sie besonders gefährdet.

4) Projektziele

Direkte Wirkungen

Das Projekt soll zu mehr Sicherheit für die Bevölkerung Kivogas und seines  Einzugsgebiets im öffentlichen Raum führen, sowohl was den Straßenverkehr, als auch was den Aufenthalt draußen nach Anbruch der Nacht betrifft. Konkret rechnen wir mit einem Rückgang von Unfällen, (sexuellen) Übergriffen und Überfällen.

Indirekte Wirkungen

Indem es das Sicherheitsempfinden der Menschen stärkt, soll das Projekt Kivoga als Zentrum des umliegenden ländlichen Raums stärken:

  • Eltern werden sich weniger Sorgen machen, wenn sich ihre Kinder auf dem Schulweg befinden und selbst unbeschwerter auf der Rue Nationale 7 unterwegs sein. Indem sie die Verkehrsteilnehmer zum langsamen Fahren zwingen, ermöglichen die Straßenschwellen es den Fahrerinnen und Fahrern darüber hinaus, die Angebote entlang der Straße bewusster wahrzunehmen: vom Obst- und Gemüsestand bis hin zum Handwerksbetrieb ist von „Mitnahmeeffekten“ auszugehen.
  • Es ist anzunehmen, dass der Wochenmarkt, der sich oft bis in die Abendstunden erstreckt, mehr Zulauf erhalten wird, wenn er und sein Umfeld beleuchtet sind; gleiches gilt für die Kranken- und Entbindungsstation oder das kleine Restaurant und Hotel.

Darüber hinaus erhoffen wir uns einen psychologischen Effekt. In Burundi ist die Dunkelheit in hohem Maße angstbesetzt – nicht zuletzt bedingt durch Jahrzehnte der gewaltsamen Auseinandersetzungen im Land. Licht zu haben, bedeutet daher mehr als nur nach Einbruch der Dunkelheit sehen zu können: Es hat gleichermaßen eine „zivilisatorische Komponente“, steht für Sicherheit, Transparenz und die Erschwerung „finsterer Machenschaften“.

5) Kosten

Wir veranschlagen die Kosten wie folgt:
Straßenschwellen (in Fbu) 18.892.500
Beleuchtung (in Fbu) 21.300.000
Gesamt Fbu 40.192.500
Gesamt Euro 19.520,-

(beim aktuellen Wechselkurs der burundischen Staatsbank von 1 € = 2.059 Fbu)

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